Kapitalistische Verantwortungslosigkeit: massive Ansteckung in deutschen Schlachthäusern

 

01.07.2020

 

Die Arbeitenden der Fleischerei Tönnies in Nordrhein-Westfalen sind stark von der Coronavirus-Epidemie getroffen worden. Von fast 7000 Arbeiter/innen wurden 1500 positiv getestet. Mehr als zwanzig von ihnen hatten noch im Juni so schwere Symptome, dass sie in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Mehrere kämpfen auf der Intensivstation um ihr Leben. Die Stadt von Rheda-Wiedenbrück mit 47.000 Einwohnern ist quasi im Ausnahmezustand.

 

Seit mehreren Monaten zählen die Schlachthäuser zu den Hauptverbreitungsorten der Epidemie, nicht nur wegen der Kälte drinnen, sondern vor allem wegen der Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten: Überlange Arbeitszeiten und  dichtes Gedränge in den Schlachträumen, in den Garderoben und in den kleinen schimmligen Massenquartieren, wo die Arbeiter/innen untergebracht sind, waren auch in Corona-Zeiten der Alltag. Die meisten Arbeiter/innen kommen aus östlichen Ländern und arbeiten oft in Subfirmen mit Verträgen, die der Sklaverei ähneln.

 

Obwohl es zuletzt sogar mehrere Ansteckungen in deutschen Schlachthäusern gegeben hatte, hat dieses Schlachthaus, das größte in Europa, nichts unternommen um eine Ausbreitung zu verhindern. Das würde ja ihren Profit schmälern! Weder hat Tönnies die Arbeiter sicher in Einzelzimmern untergebracht, z.B. auch in Hotelzimmern. Noch hat der Konzern die Zahl der pro Tag geschlachteten Schweine deutlich verringert, um die Arbeit zu entschleunigen und so die Ansteckungsgefahren im Betrieb zu verringern.

 

Bis zum Schluss hat die Leitung gewartet, bevor sie die Kontaktdaten der Beschäftigten bekannt gegeben hat. War es ihnen unangenehm, dass mal jemand die katastrophalen Umstände, unter denen die Arbeiter/innen dort leben, beleuchten könnte?

 

Die Landesregierung jedenfalls hat das Unternehmen lange geschützt und gewartet. Die Folgen dieser "Augen zu und durch"- Politik bezahlen nun die Arbeiter und Arbeiterinnen, ihre Familien und die ganze Region.

 

Nach Monaten der Epidemie bleiben diese Kapitalisten und die Politiker/innen in ihrem Dienst verantwortungslos und gefährlich.

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