Die kapitalistische Wirtschaft ist unfähig, unsere Existenz zu sichern

 

08.06.2020

 

Am 20. März waren die Corona-Maßnahmen gerade einmal 5 Tage in Kraft. Diese wenigen Tage haben gereicht, dass fast 100.000 Arbeitende mehr ihren Job verloren haben. Und während jeder Einzelne in den letzten 3 Monaten ordentliche Einschränkungen hinnehmen musste (es gab hohe Strafen durch die Polizei), haben die meisten Industriebetriebe ganz normal weiter produziert. In Österreich, wie weltweit. Und trotzdem werden die Menschen jetzt von einer Wirtschaftskrise immensen Ausmaßes bedroht, mit einem enormen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Noch immer sind über 500.000 Menschen in Österreich arbeitslos und über 1 Million in Kurzarbeit.

Dabei gab es keinen Weltkrieg, der alles zerstört hat. Es gab auch keinen Börsencrash wie 1929, der alle Firmen in die Pleite gedrängt hat. Teile der Wirtschaft wurden einfach freiwillig kurzfristig heruntergefahren. Eigentlich sollte es gar kein Problem sein, dass die Produktion und der Handel nach einer Pause von ein paar Wochen geordnet wieder in Gang kommen. Der in den Jahren des Wachstums angehäufte Reichtum sollte es wohl ermöglichen, ein paar Monate lang nur das zu produzieren, was wirklich für das tägliche Leben notwendig ist. Und dass die nötige Arbeit unter allen oder zumindest unter viel mehr Menschen aufgeteilt wird, mit einer allgemeinen Senkung der Arbeitszeit. Dieser Reichtum sollte es auch ermöglichen, das Einkommen von allen während dieser besonderen Zeit zu finanzieren. So wäre das in einem Wirtschaftssystem, das für das Wohl der Bevölkerung funktioniert. Und nicht für die Bereicherung einiger ganz weniger, wie es im Kapitalismus der Fall ist.

„Koste es was es wolle“ für die Kapitalisten -

„den Gürtel enger schnallen“ für die Arbeitenden

848 Euro netto inklusive Überstunden, Feiertagsdienste, Nacht- und Schichtarbeitszulagen als Einstiegsbasisgehalt für Flugbegleiter/innen – das war Ende Mai noch das Angebot von Laudamotion. Die Wirtschaftskammer hat diese unfassbare Gehaltskürzung befürwortet. Der Konzern hat keine Hemmungen, diese Krise auf mieseste Art und Weise auszubeuten. So hat der Mutterkonzern Ryanair letztes Jahr noch 885 Millionen Euro Gewinn gemacht und der Chefmanager ein Gehalt von 99 Millionen Euro bezogen.

Beim Postbus wollen sie die Schichten so legen, dass die Lenker/innen einmal pro Woche 16 Stunden im Einsatz sein können, aber nur 6,5 Stunden bezahlt werden. Es sollen nämlich an einem Tag zwei Dienste erlaubt sein. Das heißt, man arbeitet z.B. Frühschicht von 3:41-7:55 und dann Spätschicht noch einmal von 17:10-19:35. Dazwischen hockt man unbezahlt in der Dienststellte, denn 9 von 10 Endstationen sind viel zu weit weg von den Wohnorten der Busfahrer/innen, sodass es sich nicht ausgeht, nach Hause zu fahren.

Das sind Beispiele für die Richtung, die die Kapitalisten und ihre dienenden Politiker einschlagen. Außerdem, wie viele Arbeitende in der Industrie wie im Handel fühlen sich jetzt schon unter Druck, Arbeitsbedingungen anzunehmen, die weit schlechter sind, als bisher?

Auch Kürzungen bei den Pensionen sind im Gespräch. Und sogenannte „Experten“ sind derart Kapitalismus-hirnverbrannt, dass sie sogar nach Corona behaupten, Krankenhausbetten müssen gestrichen werden. Was das zur Folge haben kann, haben wir in Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich und den USA gesehen! Das Vermögen der Reichsten, der Großaktionäre, das von unserer Arbeit kommt, wird hingegen nicht angetastet. Die Welt schreit danach, die Sümpfe der Reichsten, ihre Steueroasen trocken zu legen, und damit diejenigen, die wirklich am Ertrinken sind (Arbeitslose, Kleinunternehmer, Leute ohne Einkommen), zu retten. Aber die Kapitalisten werden uns eher ersaufen lassen, als dass sie einen Cent ihres Vermögens hergeben. Im Gegenteil, sie suchen sogar nach Möglichkeiten, sich noch weiter zu bereichern.

Sie können klatschen und schöne Reden schwingen, Feste für die besten Mitarbeiter/innen organisieren. Aber am Ende des Tages werden sie uns die Rechnung präsentieren. Es ist an uns, dieses Papier zu zerreißen und den Laden selbst in die Hand zu nehmen.

 

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