Elin Weiz 1970

 

Im Elinwerk im oststeirischen Weiz kam es Ende September / Anfang Oktober 1970 zu einem dreitägigen spontanen Streik gegen die Entlassung eines engagierten Betriebsrates. Vinzenz Knoll, Arbeiterbetriebsrat beim verstaatlichten Elektrounternehmen Elin-Union, galt bei der Belegschaft als konsequenter Interessensvertreter, der auch den Konflikt mit Vorgesetzten nicht scheute. Aus der SPÖ kommend, kandidierte Knoll bei den BR-Wahlen 1969 mit einer eigenen Namensliste und erhielt prompt sechs von 15 Mandaten (SPÖ 7, KPÖ 2), was bei der SP-Fraktion zu erheblicher Wut führte.

Im September 1970 fand dann zwischen Knoll und einem Werkmeister eine Kontroverse statt: Knoll setzte sich für ein sechs Minuten früheres Schichtende ein, damit die auswärtigen Arbeiter ihren Autobus erreichen konnten. Die Debatte verlief hitzig, und Knoll warf dem Werkmeister wegen dessen Unnachgiebigkeit „betriebsschädigendes Verhalten" vor. Dieser ging zur Werksleitung, und diese nutzte die Gelegenheit, den unliebsamen Knoll wegen „erheblicher Ehrverletzung" fristlos zu entlassen. Als das unter den Arbeiter/inne/n bekannt wurde, legte eine Abteilung nach der anderen die Arbeit nieder und verlangte die Rücknahme der Entlassung und die Versetzung des Werkmeisters. Das Werk stand still, 1.200 Arbeiter/innen waren im Streik und ließen sich auch durch die Androhung „schwerwiegender Maßnahmen" seitens der Leitung, übermittelt durch den SP-Betriebsratsobmann, nicht zum Weiterarbeiten bewegen.

Als einige Angestellte als Streikbrecher/innen eingesetzt wurden, kam es zu heftigen gegenseitigen Beschimpfungen. Der Betriebsratsobmann wagte es nicht, sich offen gegen das Streikziel zu stellen, warb aber für die Wiederaufnahme der Arbeit und dafür, die Entscheidung des staatlichen Einigungsamtes bezüglich der Entlassung abzuwarten; offenkundig ging es auch ihm darum, Knoll loszuwerden. Die Metallergewerkschaft verweigerte dementsprechend dem Streik die Unterstützung – mit der absurden Begründung, dass man in einem Rechtsstaat lebe und nicht in ein schwebendes Gerichtsverfahren eingreifen könne. Nachdem der spontane Streik schon drei Tage dauerte, griff nun auch die Elin-Zentrale in Wien ein und unterstützte die Vorgangsweise der Werksleitung.

Der Proteststreik wurde schließlich nach drei Tagen ergebnislos abgebrochen. Die Arbeiter/innen wussten, ohne Unterstützung von Gewerkschaft und Betriebsratsobmann, nicht, wie sie weitermachen sollten. Die Entscheidung des Einigungsamtes fiel, wenig überraschend, zugunsten der Werksleitung aus; Knoll wurde nicht wieder eingestellt. Die Rechnung für ihren Verrat bekam die sozialdemokratische Fraktion bei den nächsten Betriebsratswahlen präsentiert, als sie zwar acht Mandate bekam, die KPÖ-Fraktion aber auf sieben Mandate anwuchs (die KPÖ konnte das aber nicht nachhaltig stabilisieren und kollabierte bei einer Betriebsratswahl später völlig). 47

47 Karlhofer 1983, S. 84-87

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