Elin Wien und VEW Kapfenberg 1987


Im November 1987 kam es dann noch zu zwei kleineren Kämpfen, nämlich im Elin-Werk in Wien-Floridsdorf und bei VEW Kapfenberg. Bei Elin ging es um den Erhalt der Motorenfertigung, die von Wien nach Weiz verlegt werden sollte, was für das Werk in Wien einen Verlust von 500 Arbeitsplätzen bedeutete. Aber auch in Weiz sollten durch Rationalisierungen 700 Jobs verloren gehen – und die Gießerei in Möllersdorf sollte überhaupt stillgelegt werden. Am 2. November legten in Floridsdorf spontan hunderte Arbeiter/innen die Arbeit nieder, um gegen diese Arbeitsplatzvernichtung zu protestieren. Als am 13. November die Beschäftigten aus Floridsdorf vor der Elin-Verwaltung in Wien-Penzing aufmarschierten, wurde die Beschlussfassung über die Verlagerung verschoben [83], an der Gesamtentwicklung bei Elin konnte dadurch aber nichts geändert werden.

Im Zuge der „Sanierung“ der VEW wurde nun auch der Standort Kapfenberg stärker angegriffen. Die Belegschaft sollte von 4.500 auf 3.250 reduziert werden. Nach dem Abzug des Apparatebaus sollte nun auch die Produktion von Wasserschneidemaschinen (20 Arbeitsplätze) verlegt werden.  Verunsicherung und Empörung waren in der Belegschaft so groß, dass sich selbst der immer abwiegelnde Betriebsratsobmann Rechberger dazu gezwungen sah, einen 6-stündigen Warnstreik zu organisieren. Diese Aktion fand am 24. November statt. Rechberger beeilte sich aber auch festzustellen: „Ich befürworte weitere Streiks nicht.“ Und so handelte es sich nicht um einen ernsthaften Kampf, sondern um eine weitere Aktion zum Dampfablassen. Die üble Rolle der SPÖ-Betriebsratsobmänner zeigte in diesem Zusammenhang auch Hundsmüller aus Ternitz, der einen Streik ankündigte, falls die Produktion von Wasserschneidemaschinen nicht von Kapfenberg nach Ternitz verlegt würde – während er gegen die 750 Kündigungen in Ternitz nichts unternahm.[84]

Insgesamt kann gesagt werden: In all diesen Kämpfen um die Zerschlagung der Verstaatlichten, die von SPÖ-geführten Regierungen durchgeführt wurde, hat die ÖGB-Führung nie als Vertreterin der Arbeiter/innen agiert, sondern bestenfalls als Mittlerin zwischen Regierung und Belegschaften, meistens aber als Abwieglerin und Handlangerin des Managements. Für die sozialdemokratischen Betriebsräte/innen und insbesondere deren Obmänner, die oft noch gut dotierte Posten im Parlament, im Vorstand, in der Arbeiterkammer oder ähnliches hatten, galt dasselbe. Sie haben die Arbeiter/innen in „ihren“ Betrieben durchwegs verraten und verkauft, weil sie längst Teil dieser abgehobenen Schicht sozialdemokratischer Bürokrat/inn/en waren und sind, die sich im kapitalistischen System privilegiert eingerichtet haben und die der SPÖ-Spitze näher stehen als den Lohnabhängigen. In einzelnen Fällen gab es aber auch Ausnahmen von dieser Regel, und eine der bemerkenswertesten Ausnahmen zeigte sich im Jänner/Februar 1988 beim eindrucksvollen Streik der Zangtaler Bergarbeiter im weststeirischen Voitsberg.

 



[83] IKL: Elin-Werk Brünnerstraße: Es wird ernst!, in: Der nächste Schritt Nr. 7, Februar 1988, S. 1

[84] IKL: VEW-Kapfenberg: Der Warnstreik sollte nur eine Warnung sein!, in: Der nächste Schritt Nr. 4, November 1987, S. 1

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