Molkereiarbeiter/innen 1974

 

Einen erfolgreichen Lohnkampf führten im März 1974 die Arbeiter/innen und Angestellten der Molkereien. Nachdem bereits drei Verhandlungsrunden zwischen der Gewerkschaft und der Milchindustrie, insbesondere dem Raiffeisenverband, zu keinem Ergebnis gekommen waren, hielten die Betriebsräte/innen von Niederösterreich und dem Burgenland eine gemeinsam Konferenz ab, auf der es zu turbulenten Diskussionen mit den anwesenden Gewerkschaftssekretären kam. Die Gewerkschaftssekretäre sagten für Kampfmaßnahmen ihre Unterstützung zu, verwiesen aber auf eine noch einzuholende Rücksprache. Die Betriebsräte/innen beschlossen schließlich: Falls die vierte Verhandlungsrunde am 20. März zu keinem akzeptablen Ergebnis führt, werden die Betriebsräte/innen auf Betriebsversammlungen auf Streikbeschlüsse drängen.

Nach dem Scheitern der vierten Runde fanden die angekündigten Warnstreiks am 22. März tatsächlich statt; in den meisten Milchhöfen von Wien und Niederösterreich wurde 24 Stunden lang die Arbeit niedergelegt. Der ÖGB distanzierte sich in einer Aussendung an die Presse: Der Streik sei von keinem gewerkschaftlichen Gremium sanktioniert. Das löste in den Betrieben heftige Empörung aus, die Betriebsräte gingen mit einer eigenen Aussendung in die Gegenoffensive und verwiesen auf die grundsätzliche Billigung durch die Gewerkschaftssekretäre. Nun wuchs der Druck auf die Gewerkschaft: Die Beschäftigten des Milchhofes St. Pölten drohten mit dem geschlossenen Austritt aus der Gewerkschaft, sollte der Streik nicht anerkannt werden.

Beide betroffenen Gewerkschaften, die der Lebens- und Genussmittelarbeiter/innen und die der Privatangestellten, erkannten den Streik schließlich nachträglich an. Außerdem bewirkten die selbstständigen Aktionen in den Betrieben auch eine härtere Gangart der gewerkschaftlichen Verhandlungsführung. Als am 25. März die siebente Verhandlungsrunde scheiterte, beschlossen die Gewerkschaften sogar die Durchführung von Streiks. Nach Urabstimmungen wurde am 26. und 27. März von etwa 3.000 Molkereibeschäftigten in Niederösterreich, Wien, Oberösterreich, Kärnten und der Steiermark gestreikt.

Krankenhäuser, Altersheime etc. wurden zwar beliefert, Versorgungsengpässe waren aber rasch absehbar, und so war die Milchindustrie endlich zu Zugeständnissen bereit: Statt der zuerst angebotenen Lohnerhöhung von 16,5% waren es nun 19,5%. Dieses Ergebnis wurde von den Streikenden angenommen, der Streik beendet. Die Initiative von der Basis hatte der lahmen Gewerkschaft auf die Sprünge geholfen.

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