23.10.2026
In Frankreich protestieren Schüler/innen seit mehreren Wochen. Sie haben auch Studierende für die Bewegung gewonnen. Sie blockieren Schulen und Universitäten.
Die Bewegung hat in einem südlichen Arbeitervorort von Paris wegen Lehrer/innenmangels und überfüllten Klassen begonnen. In anderen Schulen fallen auch im Winter die Heizungen aus, die Hausdächer sind nicht regendicht und in manchen Gebäuden gibt es Ratten! Das Bildungssystem ist schon seit Jahren unterfinanziert. Und was werden die Schüler/innen machen, wenn sie fertig sind? Werden sie dann überhaupt einen Job finden?
Ihre Wut richtet sich gegen die Verachtung, die ihnen und ihrer Zukunft entgegengebracht wird. Es ist die gleiche Verachtung, die den Arbeiter/innen in den Fabriken zu Teil wird, die sich ihr Leben nicht mehr leisten können und mit immer härteren Arbeitsbedingungen kämpfen müssen.
Die Polizei hat gleich zu Beginn auf die friedlichen Proteste mit einer seit langem nicht gesehenen Repression reagiert. Sie hat Tränengas gegen die Jugendlichen und Schlagstöcke eingesetzt. Ein 15-jähriger Junge hat eine Hand durch eine Schockgranate verloren, ein anderer ein Auge. Fast 7.000 Jugendliche wurden verhaftet. Wenn ein Rüstungskonzern an der Produktion von Mordwaffen wie Panzern oder Raketen verdient, kommt kein Polizist vor die Tür! Stattdessen fließen Milliarden an Staatsaugaben dorthin.
In den Medien werden nur die brennenden Mülltonen und das Plündern von Geschäften gezeigt – was nur von einer kleiner Minderheit gemacht wird, die die Proteste der Jugend ausnützt, um das zu tun. Die Jugendlichen werden mit diesem einseitigen Bild in den Medien alle als Vandalen dargestellt. Ihre Forderungen und Schilder zeigt man aber nicht! Die französische Regierung versucht durch Repression und wage Versprechungen Zeit zu gewinnen. Sie hofft auf ein Abflauen während der Schulferien. Doch die massiven Proteste vom 17. Oktober, an denen auch ein Teil der arbeitenden Bevölkerung teilgenommen hat, zeigen, dass mittlerweile viele die Bewegung unterstützen.
Sie merken, dass auch sie Probleme haben, für die man auf die Straße gehen muss: Inflation, hohe Spritpreise, immer weniger Arbeitsplätze. Ein Übergreifen der Proteste auf weite Teile der Arbeiterschaft würde dem Kampf eine neue Perspektive eröffnen.
Welche Zukunft für die Jugend?
Keine Lehrstellen, unsichere Arbeitsverträge, Leiharbeit, hohe Mieten, gestiegene Preise, das sind Probleme, von denen Jugendliche auf der ganzen Welt, auch bei uns, immer mehr betroffen sind. Selbst mit einem Studium ist man nicht mehr sicher eine Arbeit zu bekommen, von der man gut leben kann. Die Budgets für Bildung und Universitäten werden auch hier gekürzt, was am 22.10. zu Protesten geführt hat. Es wird gesagt, man müsse sich eben damit abfinden, dass nicht genug Geld vorhanden ist, während der Reichtum der Kapitalisten noch nie so groß war. Auch, gegen die Erderwärmung, die das Leben immer unerträglicher macht, könne man nichts tun. Stattdessen wollen sie, dass wir patriotischer werden und bereiten uns auf Kriege vor, damit die Jungen, die Armen und Arbeitenden auf der Welt sich irgendwann gegenseitig erschießen. Das ist keine Zukunft!
Nicht nur in Frankreich, sondern auch in Albanien, in Spanien, in Italien, in Griechenland, in Serbien usw. stehen sie auf. In der Geschichte war die Jugend die Triebkraft der Revolutionen. Wenn ihr Wagemut auf die Arbeiter/innenklasse übergeht, dann können wir diese Gesellschaft von Grund auf verändern.