15.9.2026
Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, hat Anfang September eine Runde durch ein halbes Dutzend Werke des Konzerns gemacht, um den Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen bis 2030 zu rechtfertigen, die zu den bereits geplanten 50.000 Stellenstreichungen hinzukommen. Mindestens vier Standorte sind von der Schließung bedroht, und die Gewerkschaften gehen davon aus, dass insgesamt 140.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Ganz zu schweigen von den Zulieferern, die davon betroffen sein werden, sowohl in Deutschland als auch in Österreich.
Am Hauptstandort Wolfsburg (Niedersachsen) versuchte Blume vor 10.000 Beschäftigten, Mitleid für die Schwierigkeiten der deutschen Automobilindustrie zu bekommen. Der VW-Konzern spricht von „katastrophalen“ Zahlen. Was für eine riesige Lüge! Der Konzern hat im letzten Jahr „nur“ genauso viele Autos wie im Jahr davor verkauft, nämlich 9 Millionen. Und er hat (nach Steuern) „nur“ 7 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Bereits in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2026 hat der Konzern einen Gewinn von 3 Milliarden Euro einkassiert. Jede/r einfache Arbeiter/in würde sich eine derart „katastrophale“ Situation nur zu gerne vorstellen!
Diese Milliardengewinne hat VW trotz der US-Zölle und weniger Verkäufe in China gemacht, weil der Konzern alle Folgen dieser Krise auf die Arbeiter/innen abgewälzt hat: indem er schon Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet und allen übrigen Arbeitenden die Löhne gekürzt hat und sie noch mehr auspresst. Dank dieses Kahlschlags ist für die Aktionäre weiterhin Geld ohne Ende da: Allein die Familie Porsche Piëch, die die Hälfte des VW-Konzerns besitzt, kassierte in den letzten vier Jahren 10 Milliarden Euro an Dividenden aus dem Unternehmen. Und damit sich die Porsche-Familie auch in diesen unsicheren Zeiten auf jeden Fall weiter bereichern kann, will VW noch mehr bei den Arbeiter/innen sparen und ganze Werke schließen. Dass reiche Kapitalisten-Familien die Unternehmen ausplündern und dafür die Existenz zehntausender Arbeitender ruinieren, das ist die eigentliche Katastrophe – nicht nur bei VW!
Es ist auch notwendig, an die Skandale zu erinnern, in die die VW-Führung verwickelt ist:
So hat vor einigen Jahren die Geschäftsleitung den Vorsitzenden des Zentralbetriebsrats bestochen (mit Millionenzahlungen und Luxusreisen mit Prostituierten). Kein Wunder, dass die Gewerkschaftsführung jahrelang so eng mit den VW-Bossen zusammengearbeitet hat.
Der damalige Personalvorstand von VW, der diese Bestechungen abgewickelt hat, war Peter Hartz (Mitglied der SPD!). Dieser verurteilte Betrüger ist der Namensgeber der „Hartz Maßnahmen“, Angriffe gegen die Ärmsten der Arbeiter/innenklasse in Deutschland.
Nicht zu vergessen die Abgasskandale, bei denen VW eine Spitzenrolle spielte.
Die neuen Angriffe von Volkswagen sind unannehmbar. Die einzige Zukunftsvision der Firma ist, den Profit einer kleinen Minderheit zu steigern, während die Masse der Arbeitenden in den Abgrund fährt. Die Großkonzerne sind unfähig, die Bevölkerung mit einer Arbeit zu versorgen, die den Lebensunterhalt deckt? Dann ist ihre Zeit abgelaufen! Sie gehören enteignet und ihre jahrelang angehäuften Profite für die Umorganisierung des Betriebs und den Erhalt aller Arbeitsstellen verwendet! Dass die Spitzen des Konzernbetriebsrats und der IG Metall im Aufsichtsrat dem Plan zugestimmt haben, ist unwürdig. Heute ist es an der Zeit, gemeinsam für den Erhalt der Arbeitsplätze und der Einkommen der Arbeiter/innen zu kämpfen. Schon Ende 2024 hatten über 65.000 Arbeitende von VW an zwei Warnstreiks teilgenommen. Es war eine erste Antwort der Arbeitenden auf die Ankündigung der VW-Bosse, die Werke zu schließen, zehntausende Arbeitsplätze zu vernichten und die Löhne um 10-18% kürzen zu wollen.
Es ist zu hoffen, dass die Kolleg/innen bei Volkswagen trotz des Verfalls der Gewerkschaft die Kraft finden, sich zu wehren. Das wäre eine Ermutigung für alle Arbeitenden in Deutschland und in Österreich, die Angriffe der Unternehmer in der kommenden Zeit nicht hinzunehmen. Es wird uns Arbeitenden in Zukunft nichts anderes übrig bleiben, als diesen Weg wieder einzuschlagen.