Schlimmer als das Coronavirus: die Profitlogik!

 

9.3.2020

Während Österreich, wie ganz Europa, zunehmend vom neuartigen Coronavirus betroffen ist, erklärt die Regierung, dass sie die Situation unter Kontrolle hat. Niemand kann natürlich vorhersehen, wie sich die Infektion entwickeln wird. Bislang bleibt das einzige wirksame Mittel, um die Verbreitung zu bremsen, eine möglichst frühe Diagnose und die Isolierung der Kranken. Das rechtfertigt aber nicht die Panik, die von den Medien und den Regierungen verbreitet wird. Noch sind wir weit entfernt von den rund Hunderttausend Toten, die die Grippe jedes Jahr in ganz Europa fordert.

         Man kann sich aber sehr wohl Sorgen machen. Nicht wegen der Gefährlichkeit dieses Virus. Wenn es Tausende von Patienten gäbe und es notwendig wäre, sie ins Krankenhaus zu bringen, wäre das Gesundheitssystem nämlich nicht in der Lage, die Situation zu bewältigen. Das ist die Schuld dieser Regierung, wie die der Vorgängerregierungen, und auch die Art, wie die kapitalistische Gesellschaft funktioniert.

Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel sind schon seit Wochen fast ausverkauft. Nicht nur weil die Nachfrage zugenommen hat, sondern auch weil die Bestände von den Produzenten ständig auf ein Minimum beschränkt werden … um die Profite zu optimieren. Seit Monaten herrscht schon ein Medikamentenengpass, auch für schwere Krankheiten. Der Patientenanwalt Gerald Bachinger erklärt, dass dieser Engpass von den Pharmafirmen künstlich geschaffen wird: Sie halten die Medikamente zurück und verkaufen sie dann nur an Länder, in denen mehr gezahlt wird, oder warten, bis der Preis wegen der Knappheit steigt.

 

Was die Krankenhäuser betrifft, so wurden ihre Kapazitäten seit Jahrzehnten reduziert. In den letzten Jahren wurden - trotz Protesten der Bevölkerung - Krankenhäuser und Kliniken in Tirol und in der Steiermark geschlossen. In Wien musste zeitweise die Kinderstation im KH Nord wegen Personalmangel zugesperrt werden. Trotz des krassen Mangels an Geburtenstationen wurde zuletzt die Geburtshilfestation im Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien dicht gemacht. Und weitere Einsparungen sind in Planung. Seit Jahren schlägt das Pflegepersonal überall Alarm: überlastete Notaufnahmen, großer Personalmangel, Gangbetten usw. Viele müssen von einem Patienten zum nächsten hetzen, zig Dinge gleichzeitig erledigen und haben nicht einmal Zeit, Patient/innen würdig zu behandeln. Angesichts dieser Situation wurde nichts getan! Die Regierung hat ihre Sparpolitik fortgesetzt, um große Firmen und Banken zu begünstigen, weil ihnen Gewinne, Dividenden und Aktienkurse wichtiger sind, als ein gutes Gesundheitswesen!

Jedes Jahr ist allein die Grippewelle eine Herausforderung. Kranke werden nach wenigen Tagen entlassen oder liegen am Gang. In den Wiener Krankenhäusern wurde aus Spargründen den Krankenschwestern sogar nahegelegt, dass sie Handschuhe für die Pflege mehrmals verwenden sollen, wenn sie dazwischen desinfizieren. Wie kann man unter solchen Bedingungen eine größere Epidemie bewältigen?

Eine kranke Gesellschaft

Eindämmungsmaßnahmen und die Verlangsamung und sogar Schließung vieler Fabriken in China belasten die gesamte Weltwirtschaft. Aber zusätzlich zu diesem Herunterfahren der Produktion gibt es das Spiel der Kapitaleigentümer, die die Situation nutzen, um noch mehr zu spekulieren, und die alle Aktienmärkte der Welt zum Sinken gebracht haben und einen neuen Finanzcrash vorbereiten. Das ist ein Beweis dafür, dass diese Wirtschaft eine Irrenanstalt ist. 

Auch wenn die Menschheit über die Mittel verfügt, um mit der Coronavirus-Epidemie fertig zu werden, läuft die gesamte Wirtschaft Gefahr, in eine neue Rezession zu stürzen, weil das kapitalistische System einem Kartenhaus ähnelt. Und man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die kapitalistische Klasse alles tun wird, damit die einfache Bevölkerung für diese neue Krise bezahlt.

Die Wirtschaft und die ganze Gesellschaft sind von einer schweren Krankheit betroffen, der Gier und der Verantwortungslosigkeit der Großaktionäre, für die nur die Gewinne zählen. Nur die Arbeiterschaft, weil sie allen Reichtum schafft und niemanden ausbeutet, kann sie daran hindern, noch mehr Schaden anzurichten. Dafür muss sie das Bewusstsein ihrer Interessen gegen die Vermögenden wiedergewinnen und den Weg des organisierten Widerstands wiederfinden.

 

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